
Fensterbeschlag im Winter: Warum Ihre Fenster „weinen“ und wie Sie dem entgegenwirken können
Jeden Wintermorgen das gleiche Ritual: Kondenswassertropfen am unteren Rand der Scheiben, ein Wasserfilm am Fensterrahmen, manchmal eine Pfütze auf der Fensterbank. Kondenswasser an den Fenstern betrifft einen Großteil der Schweizer Wohnungen, sobald die Temperaturen sinken. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen deutet dies nicht auf einen Defekt Ihrer Fenster hin, sondern auf ein Ungleichgewicht zwischen der Luftfeuchtigkeit im Innenraum und deren Abtransport. Hier erfahren Sie, was die Ursachen für Kondenswasser sind, wie Sie es schnell beseitigen können und in welchen Situationen Sie sich tatsächlich Sorgen machen sollten.
Die Ursachen für Kondenswasser an Fenstern
Ein Haushalt produziert viel mehr Wasserdampf, als man denkt: beim Kochen, im Badezimmer, beim Wäschetrocknen, durch Pflanzen und einfach durch die Atmung der Familienmitglieder. Je nach Größe des Haushalts sind das 5 bis 12 Liter Wasser pro Tag, die in die Raumluft der Wohnung abgegeben werden.
Diese warme und feuchte Luft zirkuliert in den Räumen, bis sie auf eine kalte Oberfläche trifft. Im Winter sind die kältesten Oberflächen in einem Raum fast immer die Fensterscheiben. Sobald die Raumluft bei Kontakt mit ihnen das erreicht, was Physiker als Taupunkt bezeichnen, wandelt sich der in der Luft enthaltene Wasserdampf wieder in flüssiges Wasser um: Das ist die Bildung von Kondenswasser. Der morgendliche Beschlag ist genau dasselbe Phänomen wie bei einer Dose, die man aus dem Kühlschrank nimmt.
Es kommen also drei Ursachen zusammen: die Luftfeuchtigkeit, der Temperaturunterschied zwischen der Raumluft und der Scheibe sowie der Luftaustausch im Innenraum. Oft reicht es bereits aus, nur einen dieser Faktoren zu beeinflussen, um Kondenswasserbildung zu vermeiden.
Raum für Raum, die häufigsten Ursachen:
- Schlafzimmer: Atmen während der Nacht bei geschlossenem Fenster und heruntergedrehter Heizung; am frühen Morgen bildet sich Kondenswasser.
- Badezimmer: Duschen und Badewannen – die feuchtesten Räume der Wohnung.
- Kochen: ohne Deckel und ohne Dunstabzugshaube, mit viel Wasserdampf.
- Waschküche oder provisorischer Trockenraum: Beim Trocknen der Wäsche werden mehrere Liter Wasser an die Raumluft abgegeben.
Kondenswasser innen, zwischen den Scheiben oder außen: Die Antwort in 30 Sekunden
Der Ort, an dem das Wasser auftritt, verrät fast alles über die Ursache der Kondensation. Schauen Sie genau hin.
Beschlag an der Innenseite der Scheibe: zu viel Feuchtigkeit in der Luft
Am häufigsten tritt dies vor allem in Schlafzimmern beim Aufwachen (die Atemluft von zwei Personen über acht Stunden, geschlossenes Fenster, heruntergedrehte Heizung) und im Badezimmer auf. Das bedeutet, dass die Luftfeuchtigkeit im Innenraum im Verhältnis zur Temperatur der Fensterscheibe zu hoch ist. Die Lösung liegt in der Belüftung und der Regulierung der Luftfeuchtigkeit, nicht im Fenster selbst.
Kondenswasser zwischen den beiden Scheiben der Doppelverglasung
Das ist etwas anderes. Eine Isolierverglasung ist eine versiegelte, mit Gas gefüllte Einheit. Wenn sich zwischen den Glasscheiben Kondenswasser oder ein milchiger Schleier bildet, ist die Dichtung der Verglasung undicht geworden und Feuchtigkeit ist in den luftdichten Zwischenraum eingedrungen. Diese Verglasung hat einen Teil ihrer Wärmedämmung verloren und lässt sich nicht reparieren: Sie muss ersetzt werden. Ein Schreiner die Verglasung allein austauschen, ohne den Rahmen anzutasten.
Beschlag an der Außenseite der Scheibe: ein gutes Zeichen
Das mag überraschen, ist aber ein gutes Zeichen. Wenn sich frühmorgens im Herbst oder Winter Kondenswasser an der Außenseite absetzt, bedeutet dies, dass die Wärmedämmung der Verglasung hervorragend ist: Die Außenfläche bleibt kalt, da die Wärme aus der Wohnung nicht mehr hindurchdringt. Dies lässt sich vor allem bei neueren Dreifachverglasungen beobachten. Es sind keine Maßnahmen erforderlich, das Wasser verschwindet mit den ersten Sonnenstrahlen.
Kondenswasser nach einem Fensteraustausch: Die Erklärung
Das ist das Paradoxon, das die meisten Hausbesitzer nach einer Renovierung vor ein Rätsel stellt. Durch die abgenutzten Dichtungen der alten Fenster entwich ständig Luft: eine unbeabsichtigte, unangenehme und heizkostenintensive Belüftung, die jedoch Feuchtigkeit abführte. Die neuen Fenster hingegen sind dicht. Die Feuchtigkeit, die zuvor durch die Undichtigkeiten entwich, bleibt nun in der Wohnung.
Das ist kein Mangel der neuen Fenster: Es ist ein Zeichen dafür, dass sie ihre Aufgabe erfüllen. Allerdings erfordert dies eine Umstellung der Gewohnheiten. Der Wasserdampf, der früher durch undichte Stellen entwich, verbleibt nun in der Raumluft: Eine mit dichten Fenstern ausgestattete Wohnung muss bewusst gelüftet oder mit einer mechanischen Lüftungsanlage ausgestattet werden. Fachleute drücken es ganz einfach aus: Früher atmete das Haus von selbst (und Sie heizten die Straße); jetzt entscheiden Sie selbst, wann es atmet.
Lösungen, die wirklich gegen Kondenswasser helfen
In kurzen Intervallen lüften, um die feuchte Luft abzuführen
Öffnen Sie die Fenster zwei- bis dreimal täglich für 5 bis 10 Minuten weit und sorgen Sie dabei nach Möglichkeit für einen Durchzug. Durch diesen Lüftungsschub wird die feuchte Luft durch trockene Luft ersetzt, ohne dass Wände und Möbel abkühlen, die anschließend ihre Wärme wieder abgeben. Das ist viel effektiver als ein stundenlang angelehntes Oberlicht, das den Raum abkühlt, ohne die Luft richtig zu erneuern, und die Heizkosten in die Höhe treibt. Außerdem ist dies die einfachste Methode, um im Alltag Kondenswasserbildung zu vermeiden.
Der richtige Zeitpunkt: direkt nach dem Aufstehen (im Schlafzimmer), nach dem Duschen, nach dem Kochen.
Die Luftfeuchtigkeit überwachen
Ein Hygrometer kostet etwa fünfzehn Franken. Im Winter sollten Sie in den Wohnräumen eine Luftfeuchtigkeit von 40 bis 50 % anstreben. Bei Werten über 55 bis 60 % ist die Gefahr von Kondenswasserbildung an den Fenstern – selbst bei neueren Fenstern – nahezu unvermeidlich, es besteht Schimmelgefahr, und die Raumluftqualität verschlechtert sich: Zu feuchte Luft ist ebenso gesundheitsschädlich wie zu trockene Luft.
Die in der Wohnung entstehende Feuchtigkeit begrenzen
- Trocknen Sie Wäsche nicht in Wohn- oder Schlafzimmern: Das ist eine der Hauptursachen für hohe Luftfeuchtigkeit. Wenn Sie keine andere Wahl haben, lüften Sie den betreffenden Raum verstärkt.
- Decken Sie die Töpfe ab und schalten Sie beim Kochen die Dunstabzugshaube ein.
- Schließen Sie nach dem Duschen die Badezimmertür und lüften Sie den Raum sofort, anstatt den Dampf sich in der Luft der gesamten Wohnung ausbreiten zu lassen.
Auch wenig genutzte Räume regelmäßig heizen
In einem Raum, dessen Temperatur unter 16 Grad gehalten wird, bilden sich kalte Oberflächen, an denen die Luftfeuchtigkeit aus den übrigen Wohnräumen kondensiert. Ein großer Temperaturunterschied zwischen zwei Räumen führt dazu, dass die Kondensation in den kälteren Raum verlagert wird. Eine moderate und konstante Heizung (19 bis 21 Grad in den Wohnräumen, 17 bis 18 Grad in den Schlafzimmern) ist besser als starke Schwankungen: Das ist auch die energieeffizienteste Lösung. Und sorgen Sie für Luftzirkulation: Ein massives Möbelstück, das direkt an einer kalten Außenwand steht, schafft eine tote Zone, in der Kondenswasser und Schimmelbildung begünstigt werden.
Und was ist mit Antikondensationsfolien oder -produkten?
Baumärkte verkaufen Isolierfolien zum Aufbringen auf die Scheiben sowie Antibeschlagsprays. Diese Produkte bekämpfen das Symptom, nicht die Ursache: Die Folie bildet eine dünne Isolierschicht, die die Innenseite leicht erwärmt, das Spray verzögert das Auftreten von Tropfen. Bei einem alten Fenster, bis es ersetzt wird, ist das vielleicht eine Lösung. Wenn die Luftfeuchtigkeit jedoch zu hoch bleibt, kondensiert das Wasser einfach an anderer Stelle, oft an Wänden und kalten Oberflächen, wo man es weniger sieht und wo es mehr Schaden anrichtet. Die Belüftung bleibt langfristig der entscheidende Faktor, um Kondenswasserbildung zu vermeiden.
Ein Wort zu den Fensterrahmen: Kondenswasser, das an einem PVC-Rahmen herunterläuft, lässt sich problemlos abwischen, da das Material wasserbeständig ist. Besondere Vorsicht ist jedoch an den Fugen und in den Laibungen geboten, wo stehende Feuchtigkeit letztendlich Schimmelbildung begünstigt.
Anhaltende Kondensation: Wann sollte man sich Sorgen machen?
Drei Situationen erfordern mehr als nur eine Änderung der Gewohnheiten:
- An den Ecken der Wände, hinter Möbeln oder an den Fensterfugen bildet sich schwarzer Schimmel. Die Feuchtigkeit ist schon viel zu lange vorhanden. Wenn Sie zur Miete wohnen, melden Sie dies schriftlich bei Ihrer Hausverwaltung: Je nach Ursache ist der Vermieter für die Beseitigung verantwortlich.
- Beschlag zwischen den Scheiben: Die Verglasung muss ausgetauscht werden, wie oben bereits erwähnt.
- Trotz gründlicher Belüftung und einer angemessenen Luftfeuchtigkeit tritt weiterhin Kondenswasserbildung auf. Bei alten Fenstern mit Einfachverglasung oder Doppelverglasung der ersten Generation bleibt die Innenseite des Glases so kalt, dass die Luft bereits bei einer Luftfeuchtigkeit von 45 % kondensiert. Dies ist ein Zeichen dafür, dass die Verglasung nicht mehr den aktuellen Standards entspricht: Eine moderne Verglasung mit verbesserter Wärmedämmung hält ihre Innenseite deutlich wärmer, wodurch die Kondensationsschwelle deutlich angehoben wird – ganz abgesehen von den Einsparungen bei den Heizkosten.
Im letzteren Fall sollten Sie Ihre Fenster von einem Fachmann begutachten lassen. Unsere Schreiner erstellen eine Diagnose und beraten Sie hinsichtlich der für Ihre Situation geeigneten Verglasung. Sie können auch online eine erste Selbstdiagnose Ihrer Fenster durchführen.
Der Schweizer Winter – ein idealer Nährboden für Kondenswasserbildung
Unsere Winter vereinen genau die Bedingungen, die zur Kondensation führen: lange, kalte Nächte (im Mittelland, im Jura oder im Zentralwallis sind Wochen mit Minustemperaturen zu erwarten), gut beheizte Wohnräume und Nebelphasen, in denen die Außenluft selbst mit Feuchtigkeit gesättigt ist. Die Stratus-Wochen von November bis Januar sind am kritischsten: Die Belüftung ist in dieser Zeit etwas weniger wirksam, was durch häufigere Belüftung ausgeglichen werden muss.
Umgekehrt sind Tage mit Bise-Wind Ihre Verbündeten: kalte und sehr trockene Luft – zehn Minuten bei geöffneten Fenstern trocknen die Wohnung besser aus als eine Stunde an einem nebligen Tag.





